Mittlerweile ist es für mich an der Zeit Windows Lebewohl zu sagen. Doch wie komme ich dazu und was werde ich in Zukunft verwenden? In diesem Artikel möchte ich meine Gedanken mit euch teilen.

Am Anfang stand Windows 95

Fangen wir dazu am besten ganz am Anfang an. Aufgewachsen bin ich mit Windows 95, ME, 2000 und schließlich XP. Ein Computer war für mich, als Kind, einfach ein „tolles Gerät“. Man konnte Bilder malen, Texte schreiben und Spiele spielen. Die Versionen davor wie Windows 3.1 kannte ich damals noch nicht. Auch heute beschränkt sich mein Wissen darauf, den Namen gehört zu haben.

In der Schule gab es Informatik-AGs, in denen ich mich angemeldet habe. Dort wurden tiefergehende Themen besprochen:

  • Aufbau eines Computers
  • Funktionsweise eines Computers
  • Korrektes Schreiben von Texten mit Word
  • Web-Programmierung (HTML + JavaScript)

Es war für mich einfach spannend zu sehen, wozu ein Computer taugen kann. Ab den höheren Klassen kam ich in die Netzwerk-AG. Dort wurde vor allem die Wartung der Computer in der Schule durchgeführt. Darunter fallen Punkte wie:

  • Updates installieren
  • Software und Treiber installieren oder deinstallieren
  • Benutzerkonten einrichten
  • Defekte Komponenten (z.B. Netzteil) auswechseln
  • Computer aufbauen und anschließen

Über unseren Lehrer konnten wir auch etwas über Server, DHCP, DNS und weitere Themen lernen. Allerdings wurden wir Schüler selten mit der direkten Konfiguration von Servern vertraut.
Wahrscheinlich war das gut so 😉 In dem Alter probiert man gerne vieles aus und macht durchaus auch das Eine oder Andere kaputt.

Weiter ging es mit Vista, 7 und 8

Meinen ersten eigenen Laptop hatte ich während der Realschulzeit. Damals war Windows Vista aktuell und der Nachfolger von XP. Ich habe damit viele Jahre problemlos gearbeitet.

Viele aus meinem Bekanntenkreis haben über Vista geschimpft, weil nichts darauf läuft. Ständig gibt es Bluescreens, das Betriebssystem friert ein oder andere Schwierigkeiten.
Ich hatte persönlich keine Probleme mit Vista. Ein Mal hatte ich einen Blue Screen, weil ich falsche Treiber installiert hatte. Ja, Vista war schnell wie eine Schnecke aber ich konnte mich nie über Abstürze beklagen.

Als ich meine Ausbildung begonnen habe, hat die Firma Windows 7 eingeführt. Neue Computer (insbesondere die der IT) wurden automatisch mit Windows 7 ausgeliefert. Mir haben die neue Oberfläche und das Tempo sehr gut gefallen. Auch der lästige Bluescreen ist entfallen. Aus meiner Sicht war Windows 7 insgesamt sehr stabil.
Ich denke Microsoft hat viel aus den Vorgängern gelernt. Die anderen Betriebssysteme waren nicht so stabil.

Über meine Ausbildung als Softwareentwickler lernt man durchaus die einen oder anderen Kniffe (oder Probleme) bei einem Betriebssystem kennen.

Die Zeit meiner Ausbildung war vor .NET Core. Es gab nur das .NET Framework. Das Framework lief nur auf Windows. Dennoch sah ich darin kein Problem. Viele Firmen, Unternehmen und Privatpersonen nutzen Windows. Jeder kennt das Betriebssystem und die Oberfläche.
Aus Entwicklersicht war das optimal. Es konnten z.B. Windows-Spezifische Funktionen genutzt werden und die Plattform war relativ einheitlich.

Meinen ersten eigenen Rechner, den ich mir in der Ausbildung zugelegt habe, habe ich mit Windows 8 bzw. 8.1 bestückt. Die Performance und insbesondere die Startzeit waren nochmals etwas besser als bei 7. Trotz das ich den Schnellstart deaktiviert habe und SSDs waren recht teuer, sodass sich der Einsatz noch nicht rentiert hat.

Das Startmenü war für mich persönlich seit Windows Vista überflüssig. Zu dem Zeitpunkt hat Windows die Schnellsuche im Startmenü eingeführt. Man konnte direkt die Windows Taste drücken und etwas Suchen. Ein Programm (z.B. Notepad++) habe ich gestartet mit
Windows-Taste > N++ > Return.

Das lästige Suchen „wo ist mein Programm“ wie es noch mit Windows 95, 98, XP etc. notwendig war ist komplett entfallen. Ich empfand es als mühselig Start > Alle Programme aufzurufen und in der Liste das Programm oder den Hersteller zu suchen.
Im schlimmsten Fall war der Name ein ganz anderer oder das Setup hat keinen Eintrag im Startmenü hinterlegt.

Eigentlich klingt alles zu gut, um wahr zu sein, oder? Ich meine: Windows läuft wunderbar. Es gibt keine größeren Probleme. Es ist stabil. Die Benutzung ist toll, auch wenn Microsoft begonnen hat mit Windows 8 ein Betriebssystem für Tablets respektive Touchbedienung zu entwickeln.

Dann kam der Mac

Mein erstes MacBook habe ich während meines Studiums gekauft. Der Laptop war bereits 6-7 Jahre alt und bekam langsam Altersschwäche. Auch ein anderes Betriebssystem hat nicht mehr flüssig funktioniert. Der Akku war hinüber und ich brauchte einen Rechner für Unterwegs. Weil ich das Betriebssystem nicht kannte und die Produkte einen sehr wertigen Eindruck machen, habe ich mir einen bestellt. Natürlich war auch etwas Neugier dabei, wie sich macOS anfühlt.

Da ich den Laptop primär für das Studium und unterwegs haben wollte waren meine Anforderungen auf Office, Recherchen im Web und ggf. Musik hören begrenzt. Höhere technischen Anforderungen hatte ich nicht. Die lange Akkulaufzeit von 10 Stunden war ebenfalls sehr attraktiv. Überzeugt haben mich dabei einige Bekannte mit Macs, welche mir bestätigt haben, dass der Akku wirklich so lange hält.

Auch wenn ich oft das typische Argument höre „Apple Produkte sind überteuert“ war mein erster Eindruck: Wow

Ich habe noch nie Windows neu auf einem Computer installiert und konnte innerhalb von ~10 Minuten nach dem ersten Start (respektive der ersten Anmeldung) arbeiten und meine benötigten Programme installieren.
Entweder muss ich in Windows erst zig Einstellungen vornehmen, sodass ich alle wichtigen Informationen sehe. Oder (seit Windows 8) muss ich 15 Minuten warten bis der Windows-Store eingerichtet wurde. Dass ich den Store nicht ein einziges Mal geöffnet habe, interessiert Microsoft nicht.
Zusätzlich zur Store-Einrichtung konnte ein Microsoft-Konto angelegt werden und es gab Abfragen zur Privatsphäre und Einstellungen von Windows bis der Desktop endlich erreicht ist.

Lange Geschichte in kurz: Ich war davon begeistert wie simpel und einfach eine Oberfläche und die Einrichtung sind. Es werden nicht unzählige Icons in einer Taskleiste mit einem Pfeil versteckt. Die iCloud ist ebenfalls in wenigen Minuten eingerichtet.
Die anderen Features wie die Web-Installation einer OS X Version ohne Installationsmedium und die wundervollen Touchgesten lasse ich mal außen vor.

Meine Bachelorarbeit habe ich vor allem in Bibliotheken geschrieben. Dort habe ich gemerkt, wie mächtig und intuitiv das Betriebssystem von Apple ist. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass mir zu viele Programme fehlen und es keine passende Version für Mac gibt.
Nach den ersten paar Tagen (und einigen Websuchen) sind sehr viele Anwendungen Cross-Plattform-kompatibel und können auf Windows, Mac und/oder Linux gleichermaßen betrieben werden. Manche Anwendungen die es nur für Mac gibt sind gefallen mir besser als die Windows-Alternativen. Leider kann man nicht alles haben 🙂

Fairer Weise muss ich zugeben, dass ich ein einziges Mal einen Freeze bei einem Mac hatte, der nur durch ein hartes Ausschalten beendet werden konnte. Damals habe ich ein Upgrade zu Yosemite durchgeführt. Das war ca. 1 Jahr, nachdem ich den Mac erworben habe.
Ich hatte die Hoffnung dass Apple ein Upgrade besser umsetzt als Microsoft.
Leider wurde ich enttäuscht und führe seitdem immer, wie bei Windows, eine Neuinstallation des Betriebssystems durch. Es bleiben einfach Dateireste oder Einstellungen bestehen, welche nach einem Upgrade leider das System langsam oder instabil machen.

Windows 10 als finale Version

Windows 10 wurde Mitte 2015 veröffentlicht. Die einzigen Neuerungen waren die Rückkehr des Startmenüs und das Windows 10 die finale Windows Version ist. Durch regelmäßige Updates wird es nicht mehr notwendig, alle paar Jahre eine neue Version zu kaufen. Das klingt doch toll, oder?

In der Theorie klingt es gut. Durch regelmäßige Updates stellt Microsoft sicher, dass Windows immer auf dem aktuellen Stand bleibt. Es gibt keine „alten“ Versionen mehr, bei denen Updates nur bis zu einem bestimmten Datum gewährleistet wird.

Auch Entwickler und Hersteller können sich darauf verlassen, dass die Plattform immer aktuell bleibt. Umstellungen und Probleme bei regelmäßigen Updates (alle paar Monate) lasse ich bewusst außen vor. Die verschiedenen Unternehmen müssen eine Strategie entwickeln, wie Fehler oder Probleme in Anwendungen oder Treibern rechtzeitig im Voraus gefunden werden können.
Unternehmen haben die Möglichkeit, Updates nach hinten zu verschieben.

Windows 10 nutze ich seit Anfang 2018 regelmäßig auf der Arbeit. Privat bin ich noch bei Windows 8.1, da mir Windows 10 sehr unsicher erscheint. Das Wort unsicher bezieht sich dabei vor allem auf die Updates, Systemstabilität und Datenschutzeinstellungen.

Dabei sind es so viele Kleinigkeiten die mir in Windows 10 fehlen oder falsch laufen:

  • Die Windows suche funktioniert nicht korrekt. Notepad++ wird bei der Eingabe von N++ in der Suche nicht gefunden. Auch Win Upd findet nicht Windows Update. Mit Teilbegriffen suchen hat in den Vorgängern ohne Probleme funktioniert. Das gleiche gilt für die Suche in der neuen Systemsteuerung.
  • Windows-Taste + C zeigt nicht mehr das aktuelle Datum in groß an
  • Alle Menüs (insbesondere die Systemeinstellungen) werden zu großen Kacheln. Dadurch ist Windows für den Desktop einfach zu groß und klobig. Für Touch mag es in Ordnung sein. Für Tastatur, Maus und einen großen Monitor passen definitiv zu wenige Informationen auf den Bildschirm.
  • In Zusammenhang mit der Touch-Oberfläche fallen viele Abkürzungen mit dem Rechtsklick weg. Beispielsweise kann ein Standarddrucker in der App-Oberfläche nicht mit Rechtsklick gesetzt werden. In der „Standardansicht“ ist das möglich.
  • Benachrichtigungen für unwichtige Informationen lassen sich nicht ausschalten. Ich erhalte (trotz deaktivierter Benachrichtigungen) mehrmals am Tag „Sie haben Updates“. Jedes Mal, wenn ich den Klick mache, zeigt mir Windows Updates für den Windows Defender an. Wie wäre es mit einer Nachricht, falls das Update fehl schlägt?
  • Der Explorer hat immernoch keine Tabs
  • SSH ist nicht standardmäßig installiert
  • Die Systemsteuerung-App von Windows 10 ist mir schon diverse Male eingefroren oder abgestürzt.

Zudem gab es sehr selten ein größeres Update, welches fehlerfrei durchlief. Ich hatte diverse Bootschleifen und 4-5 Stunden gebraucht, um wieder auf den Desktop zu kommen.
Manche Updates wurden ca. 2 Monate lang täglich installiert. Grund hierfür war ein erzwungenes Update. Bei der Installation gab es immer einen Fehler und Windows hat den ursprünglichen Zustand wiederhergestellt.
Allerdings musste das Update (nachdem ich wieder auf dem Desktop war) jedes Mal neu heruntergeladen werden.

Ich sehe es ein, dass ein großes Paket durchaus länger zum Installieren braucht. Wer sich an die älteren Installationen von Visual Studio erinnert der weiß, dass man ca. 1,5 Stunden einplanen konnte.
Wenn Microsoft allerdings Windows 10 als „das finale Windows“ vermarktet dann erwarte ich zumindest stabile Updates. Des Weiteren erwarte ich, dass Funktionen in der Vorherigen Version (beispielsweise die Suche) weiterhin funktioniert oder verbessert wurde.

Stattdessen wird der Fokus lieber auf ein neues Explorer-Icon und ein Light-Theme gesetzt. Warum wurde anstatt dem Light-Theme nicht dem Anwender eine Möglichkeit gegeben die Farbe selbst zu definieren? Ich behaupte, dass der zeitliche Aufwand ähnlich ist. Bei sauberer Programmierung erwarte ich eine Style-Datei, welche die Farben, Schriftgrößen usw. zentral definiert. Dann kann der Anwender selbst seine Hintergrundfarbe für die Menüs etc. auswählen.

Der Grund zu gehen

Leider gibt es für mich nicht „den einen Grund“, warum ich Windows 10 nicht mehr nutzen möchte. Es gibt viele kleine Gründe.

  • Ich will mir nicht Sorgen machen, ob der Computer nach einem Update noch bootet
  • Ich will mir nicht Sorgen machen, ob der Computer nach einem Update Daten gelöscht hat
  • Ich will nicht nach einem Update alle Datenschutz und Sicherheitseinstellungen neu setzen müssen
  • Ich möchte, dass ein Update nützliche Funktionen ergänzt oder Fehler behebt
  • Ich möchte ein System haben, auf das ich mich verlassen kann

Mir ist klar, dass ein komplexes System wie ein Betriebssystem oder größere Anwendung nicht 100%ig fehlerfrei sein wird. Es kann immer eine spezielle Konstellation geben, welche einen Fehler erzeugt.

Bisher war mein Eindruck immer der, dass sich Windows von Version zu Version verbessert. Alleine die Stabilität und Ausfallsicherheit von Windows 7 und 8 waren grandios. In Windows 10 habe ich den nicht mehr.

Windows 10 fühlt sich für mich an wie: „Wir werfen alles weg und programmieren den notwendigen Kram nach. Falls Funktionen fehlen, dann ist das so.“
Das Wort „Kram“ ist hier bewusst gewählt.

Über die ganzen Jahre war ich mit Windows zufrieden. Manche Sachen hätte ich anders erwartet. Ich glaube jedoch, dass die verschiedenen Betriebssysteme wie macOS, Windows und Linux (und die ganzen anderen Betriebssysteme und Derivate) ihre individuelle Philosophie haben.
Mir machen die Betriebssysteme auf jeweils ihre Art Spaß. Ich mag OS X auf meinem Laptop. Ich mag Windows 8 auf meinem Heimcomputer. Ich mag Linux auf meinem Raspberry bzw. Server.
Windows 10 mag ich nicht. Es fühlt sich für mich nicht mehr intuitiv und sicher an. Ich habe den Anspruch, dass ich mich auf einen Computer respektive das Betriebssystem verlassen muss.

Auch im Hinblick auf die immer stärkere Integration der Cloud (One Drive, Cortana..) und das intransparente Tracking von Nutzer bzw. Systeminformationen sehe ich Windows mittlerweile sehr kritisch. Auch Unternehmen oder das BSI bewerten das Tracking kritisch.

Die Zukunft

Ich werde in Zukunft Linux anstatt Windows auf meinem Heimcomputer nutzen. OS X läuft meines Wissens nach nur auf Apple Hardware und ein Computer zu vergleichbaren Preisen kann eine bessere Leistung haben und ist aufrüstbar.
Windows 8.1 möchte ich mittel- und langfristig nicht mehr nutzen, weil der reguläre Support im Januar 2018 eingestellt wurde.

Derzeit arbeite ich mehrere Tage mit unterschiedlichen Live-Versionen, um ein Gefühl für die verschiedenen Derivate und Oberflächen wie Gnome oder KDE zu bekommen.
Welche Programme ich dann nutzen kann, wird sich im Betrieb herausstellen. Vielleicht schreibe ich einen nachfolgenden Artikel.

Was ich auf jeden Fall vermissen werde ist das Visual Studio. Leider kann diese IDE nicht einfach so auf Linux portiert werden. Diese Entwicklungsumgebung ist sehr mächtig. Vielleicht mache ich in diesem Fall eine Ausnahme und nutze eine virtuelle Maschine. Ansonsten gibt es jedoch keine Anwendung, für die es keine Alternative gibt.
Da .NET Core auf jeder Plattform funktioniert, werde ich mir andere Entwicklungsumgebungen anschauen. Rider von JetBrains sieht vielversprechend aus.
Für Desktopanwendungen werde ich vielleicht mit Electron entwickeln oder ich nutze eine andere Programmiersprache. Ich würde mir hier wünschen, dass das Desktop Kit für .NET Core auch auf andere Betriebssysteme portiert wird.

Wie gut ich mich mit Linux und den neuen Anwendungen zurecht finde, wird die Zukunft zeigen. Ich finde es sehr Schade, dass es ein solches Ende nehmen muss. Über die ganzen Jahre hat sich Windows toll weiterentwickelt. Windows 10 ist für mich persönlich ein kompletter Rückschritt und praktisch nicht nutzbar. Ich muss mich einfach auf einen Computer verlassen können. Auch nach Updates sollte das System stabil laufen.

Dann kann ich endlich bei den Kollegen mitsprechen, welche seit längerer Zeit ein Linux (z.B. Arch Linux oder Ubuntu) nutzen. Auf der Arbeit werde ich derzeit kaum um Windows herum kommen.

Wie ist eure Meinung zu Windows 10? Wie zufrieden seid ihr oder nutzt ihr Windows garnicht mehr?


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